HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
Hans Olbrich, © Marcus Gruber
Hans Olbrich. Seit 40 Jahren Informationsgestalter und Autor für Unternehmen, Organisationen und Redaktionen.
1.5.2006 | Druckansicht

Geld & Wirtschaft

Die Rendite-Diktatur und die Bodenreform

Letzter Teil des neunteiligen Dossiers

Beitrag von Hans Olbrich

Der Boden, der Allen gehört statt Einigen.

Obwohl aller Grundbesitz aus früheren „Landnahmen“ stammt, für die nichts bezahlt wurde, ist es rechtens, dass die meisten Menschen für den Fleck Erde, auf dem sie leben, an einen anderen bezahlen müssen.

Im Booklet zur Ausstellung „Zürich West“ steht neben der Jahreszahl 1867: „Grundeigentümer nutzten die Wohnungsnot schamlos aus, die Quadratmeterpreise stiegen um fünfhundert Prozent.“ Und: „Um überleben zu können, machten viele Frauen in Schlafzimmern Heimarbeit.“ Daneben ein Hinweis auf die kommunalen Geschenke an die Privatindustrie: „Vieles stellte die Stadt der Industrie zur Verfügung: neue Straßen, Kraftantriebe, ein Gaswerk.“ 1893 ging es dann aufwärts: „Gemeinsam mit den Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern spürt die Stadt Entwicklungspotentiale auf.“ Solcher Gemeinsamkeiten hätte es nie bedurft, wäre man früher klug geworden im Umgang mit Geld und Boden. Beispiel:

Hätte man den Boden der ehemaligen Wallanlagen in Zürich vor rund 200 Jahren nicht verkauft, sondern nur verpachtet, könnte sich die Stadt Zürich heute aus den Pachteinnahmen finanzieren und kein Züricher Bürger müsste für das Leben in der Gemeinde Steuern zahlen.

Dieses einfache Beispiel (Quelle: Helmut Creutz) beschreibt auch schon die Grundrezeptur einer Bodenrechtsreform, die ohne Enteignungen geeignet wäre, Landräubereien und Landschachereien endgültig in die Geschichtsbücher zu verbannen.

Wie die empfohlene Geldreform kein Zinsverbot erfordert, würde die empfohlene Bodenreform keine Enteignungen erfordern. In beiden Fällen würde sich der angestrebte Effekt, nämlich die Verhinderung von Spekulation, wie nebenbei einstellen.

Empfohlen wird eine nach und nach durchzuführende Umwandlung der privaten Bodeneigentumsrechte in private Bodennutzungsrechte. Boden kann dann nur noch an einen öffentlichen Boden-Fonds verkauft werden, der dann keine privaten Eigentumsrechte mehr, sondern nur noch Nutzungs-rechte in Form von Pacht und Erbbaurecht vergibt. Dafür ist eine Bodennutzungsgebühr zu bezahlen, deren Höhe sich aus Angebot und Nachfrage ergibt. Gebäude sind und bleiben Eigentum. Die Ergebnisse wären unter anderem mehr verfügbarer Boden, der Abbau von Spekulationsruinen und bezahlbares Wohnen auch in Städten, so dass die teure und unwirtschaftliche Zersiedelung von Landgebieten reduziert würde.

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Boden, Wasser, Luft und mehr

Boden, Wasser, Luft und Sonnenlicht sind Menschenrechte. Einige Menschen auf dieser Welt sind anderer Ansicht. Auf dem „Weltwasserforum 2000“ in Den Haag wurde festgelegt, dass Wasser nicht länger ein Menschenrecht, sondern eine Handelsware ist. Das war Wasser auf die Mühlen von GATS (General Agreement on Trade in Services). Mit diesem „Liberalisierungsabkommen“ im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO wird die vollständige Privatisierung des weltweiten Dienstleistungsmarktes betrieben. Dazu gehört auch die Wasserversorgung. Und längst ist auch die Luft nicht mehr tabu: Das Protokoll von Kyoto 1997 erlaubt den Handel mit „Emissionsrechten.“ Ganz legal neoliberal.

 

Wir wissen heute, dass kriminelles Verhalten ein gesellschaftliches Produkt ist. Würden wir nur einen Teil des Geldes, das für die oft aussichtslose „Bekämpfung“ der Folgen ausgegeben wird, für die Behebung der Ursachen verwenden, könnten wir mit durchgreifenden Verbesserungen rechnen. Eine Gesellschaft, die sich dieser Aufgabe nicht stellt, verspielt ihre Chancen und verliert ihre Zukunft.

 

Inhaltsübersicht

Die Rendite-Diktatur und …

(1) … die Menschen
(2) … die Demokratie
(3) … die Wachstumsformel
(4) … die Arbeitslosigkeit
(5) … die Abzockautomatik
(6) … die Verschuldung
(7) … die Milliardäre
(8) … die Geldreform
(9) … die Bodenreform

Alle Teile des Dossiers sind in einem PDF zusammengefasst, das Sie herunterladen und offline lesen können: olbrich,hans-renditediktatur.pdf (171.20 KB)

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