HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
Hans Olbrich, © Marcus Gruber
Hans Olbrich. Seit 40 Jahren Informationsgestalter und Autor für Unternehmen, Organisationen und Redaktionen.
17.4.2006 | Druckansicht

Geld & Wirtschaft

Die Rendite-Diktatur und die Milliardäre

Siebter Teil des neunteiligen Dossiers

Beitrag von Hans Olbrich

Hunderttausend SFR Stundenlohn für einen Milliardär.

In den letzten Jahrzehnten hat weltweit eine gigantische Umverteilung des Reichtums stattgefunden. Immer mehr Geld sammelt sich in einzelnen Händen.

Die dreihundert reichsten Schweizer besitzen zusammen mehr als 420 Milliarden Schweizer Franken. Das ist mehr als das Bruttosozialprodukt dieses Landes.

Nehmen wir einen von ihnen, der etwa dreieinhalb Milliarden SFR hat und rechnen wir seinen Stundenlohn aus. Verteilt auf arbeitstäglich acht Stunden kommt dabei ein Stundenlohn von rund hunderttausend Franken heraus. Lässt sich soviel durch eigene Arbeit verdienen? Un-möglich. Wie also geht das? Milliardenvermögen entstehen immer durch Kapitalrendite. „Die Rendite bezeichnet den Gesamterfolg einer Kapitalanlage, gemessen als tatsächliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals“ - so das FAZ Börsenlexikon. Das heißt: Rendite ist Geld, das von anderen erarbeitet werden muss. So einfach ist das. Und so un-gerecht ist das. Und so gefährlich ist das für jede Gesellschaft und für jede Volkswirtschaft. Warum?

Jedem Guthaben-Franken steht immer ein Schulden-Franken gegenüber. Das ist einfache Buchhaltung, ohne die Wirtschaften nicht funktioniert. Das heißt: Die Vermögen von einigen wenigen sind die Schulden von allen anderen. Diese anderen sind alle staatlichen, kommunalen und privaten Schuldner.

Doch nun: Da der Zins eine „Umwandlung von Zeit in Geld“ ist, werden diese Gegensätze stündlich größer. Das kann so weit gehen, dass allein die Zinsschulden eines Kreditnehmers am Ende höher sind als der Kreditbetrag selbst. So geraten immer mehr Kreditnehmer wie zum Beispiel der Staat, die Kommunen, mittelständische Unternehmer und auch gutbürgerliche Privathaushalte in die Insolvenz, sprich Pleite.

Millionäre und Milliardäre wurden Millionäre und Milliardäre dadurch, dass sie von den Schulden aller anderen profitieren, ohne selbst dafür etwas anderes zu leisten, als Investmentbanker und Börsenmakler zu beschäftigen. Und wenn die ihren Job gut machen, wächst der Reichtum vor allem von Millionären und Milliardären nicht nur immer weiter, sondern auch immer schneller weiter.

Könnte es sein, dass dies der Grund dafür ist, dass ständig nach „mehr“ Wachstum gerufen wird? Könnte es sein, dass Wirtschaftswachstum nur für die Zinsrenditen der Millionäre und der Milliardäre und ihrer Investmentbanker und ihrer Börsenmakler gebraucht wird? Könnte es sein, dass nur oder auch dieses „im Schweiße anderer Angesichter“ zu erarbeitende Geld es ist, das zu ständigem Wachstum zwingt?

Und: Wo soll solcher Wachstumswahn hinführen? Als die im Börsenrausch wie wahnsinnig gewordenen Amerikaner im Oktober 1929 erst in Panik und dann in Elend gerieten, waren auch Milliardäre dabei, die dann keine mehr waren. Einige haben sich erschossen. Vorschlag: Rückschlüsse jetzt statt Kopfschüsse dann.

Und: Muss denn alles immer wieder bis zum bitteren, grausamen Ende getrieben werden? Sind wir nicht endlich ein bisschen erwachsener geworden? Können wir nicht endlich einmal über den Tellerrand des kurzsichtigen Egoismus an die Zukunft auch unserer Kinder denken?

Also: Sollten wir nicht fähig sein, eine eigentlich bescheidene und durchaus sanfte Lösung der allgemeinen Denkstarre beim Thema Geld anzugehen? Es gäbe eine ebenso nachhaltige wie logische Lösung.

________________________

Milliardäre weltweit

Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ registrierte im Jahr 2004 die Rekordzahl von 587 Individuen, die eine Milliarde Dollar oder mehr besitzen, gegenüber 476 Milliardären im Jahr 2003. Die Summe dieser Privatvermögen erreicht ebenfalls Rekordhöhen - nämlich 1,9 Billionen Dollar oder 1,54 Billionen Euro. Der Reichtum dieser wenigen hundert Menschen übersteigt das gesamte Bruttosozialprodukt der 170 ärmsten Länder der Welt und beträgt fast vier Prozent des Gegenwerts der globalen Jahresproduktion. (Nachtrag 2006: Inzwischen stieg die Zahl der Milliardäre von 587 auf 691, das addierte Nettovermögen erhöhte sich von 1,9 Billionen auf 2,2 Billionen Dollar - das sind zweitausendundzweihundert Milliarden.)

Inhaltsübersicht

Die Rendite-Diktatur und …

(1) … die Menschen
(2) … die Demokratie
(3) … die Wachstumsformel
(4) … die Arbeitslosigkeit
(5) … die Abzockautomatik
(6) … die Verschuldung
(7) … die Milliardäre
(8) … die Geldreform
(9) … die Bodenreform

Alle Teile des Dossiers sind in einem PDF zusammengefasst, das Sie herunterladen und offline lesen können: olbrich,hans-renditediktatur.pdf (171.20 KB)

Gratis, aber nicht umsonst:
Humonde braucht Ihr Engagement.