Hunderttausend SFR Stundenlohn für einen Milliardär.
In den letzten Jahrzehnten hat weltweit eine gigantische
Umverteilung des Reichtums stattgefunden. Immer mehr Geld sammelt sich in
einzelnen Händen.
Die dreihundert reichsten Schweizer besitzen zusammen mehr
als 420 Milliarden Schweizer Franken. Das ist mehr als das Bruttosozialprodukt dieses Landes.
Nehmen wir einen von ihnen, der etwa dreieinhalb Milliarden
SFR hat und rechnen wir seinen Stundenlohn aus. Verteilt auf arbeitstäglich
acht Stunden kommt dabei ein Stundenlohn von rund hunderttausend Franken
heraus. Lässt sich soviel durch eigene Arbeit verdienen? Un-möglich. Wie also
geht das? Milliardenvermögen entstehen immer durch Kapitalrendite. „Die Rendite
bezeichnet den Gesamterfolg einer Kapitalanlage, gemessen als tatsächliche
Verzinsung des eingesetzten Kapitals“ - so das FAZ Börsenlexikon. Das heißt:
Rendite ist Geld, das von anderen erarbeitet werden muss. So einfach ist das. Und
so un-gerecht ist das. Und so gefährlich ist das für jede Gesellschaft und für
jede Volkswirtschaft. Warum?
Jedem Guthaben-Franken steht immer ein Schulden-Franken
gegenüber. Das ist einfache Buchhaltung, ohne die Wirtschaften nicht funktioniert.
Das heißt: Die Vermögen von einigen wenigen sind die Schulden von allen
anderen. Diese anderen sind alle staatlichen, kommunalen und privaten
Schuldner.
Doch nun: Da der Zins eine „Umwandlung von Zeit in Geld“
ist, werden diese Gegensätze stündlich größer. Das kann so weit gehen, dass allein
die Zinsschulden eines Kreditnehmers am Ende höher sind als der Kreditbetrag
selbst. So geraten immer mehr Kreditnehmer wie zum Beispiel der Staat, die
Kommunen, mittelständische Unternehmer und auch gutbürgerliche Privathaushalte
in die Insolvenz, sprich Pleite.
Millionäre und Milliardäre wurden Millionäre und Milliardäre
dadurch, dass sie von den Schulden aller anderen profitieren, ohne selbst dafür
etwas anderes zu leisten, als Investmentbanker und Börsenmakler zu
beschäftigen. Und wenn die ihren Job gut machen, wächst der Reichtum vor allem
von Millionären und Milliardären nicht nur immer weiter, sondern auch immer
schneller weiter.
Könnte es sein, dass dies der Grund dafür ist, dass ständig
nach „mehr“ Wachstum gerufen wird? Könnte es sein, dass Wirtschaftswachstum nur
für die Zinsrenditen der Millionäre und der Milliardäre und ihrer
Investmentbanker und ihrer Börsenmakler gebraucht wird? Könnte es sein, dass
nur oder auch dieses „im Schweiße anderer Angesichter“ zu erarbeitende Geld es
ist, das zu ständigem Wachstum zwingt?
Und: Wo soll solcher Wachstumswahn hinführen? Als die im
Börsenrausch wie wahnsinnig gewordenen Amerikaner im Oktober 1929 erst in Panik
und dann in Elend gerieten, waren auch Milliardäre dabei, die dann keine mehr
waren. Einige haben sich erschossen. Vorschlag: Rückschlüsse jetzt statt
Kopfschüsse dann.
Und: Muss denn alles immer wieder bis zum bitteren,
grausamen Ende getrieben werden? Sind wir nicht endlich ein bisschen
erwachsener geworden? Können wir nicht endlich einmal über den Tellerrand des
kurzsichtigen Egoismus an die Zukunft auch unserer Kinder denken?
Also: Sollten wir nicht fähig sein, eine eigentlich
bescheidene und durchaus sanfte Lösung der allgemeinen Denkstarre beim Thema
Geld anzugehen? Es gäbe eine ebenso nachhaltige wie logische Lösung.
________________________
Milliardäre weltweit
Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ registrierte im Jahr 2004
die Rekordzahl von 587 Individuen, die eine Milliarde Dollar oder mehr besitzen,
gegenüber 476 Milliardären im Jahr 2003. Die Summe dieser Privatvermögen
erreicht ebenfalls Rekordhöhen - nämlich 1,9 Billionen Dollar oder 1,54
Billionen Euro. Der Reichtum dieser wenigen hundert Menschen übersteigt das
gesamte Bruttosozialprodukt der 170 ärmsten Länder der Welt und beträgt fast vier
Prozent des Gegenwerts der globalen Jahresproduktion. (Nachtrag 2006:
Inzwischen stieg die Zahl der Milliardäre von 587 auf 691, das addierte
Nettovermögen erhöhte sich von 1,9 Billionen auf 2,2 Billionen Dollar - das
sind zweitausendundzweihundert Milliarden.)