Auch wer keine Schulden hat, zahlt Zinsen. An jeder Kasse.
So ist es bei allen Waren und bei allen Dienstleistungen,
die an der Kasse im Supermarkt oder im Bierlokal oder per Überweisung auf ein
Konto bezahlt werden:
In jedem Preis, in jedem Rechnungsbetrag werden auch Zinsen
mitgezahlt, die andere schon bezahlt und auf ihre reinen Produktionspreise
aufgeschlagen haben. Und das summiert sich. Auf wie viel? Bitte durchatmen:
durchschnittlich dreißig Prozent, in Ausnahmefällen wie „Mietzins“ weit mehr,
im Preis zum Beispiel für ein Glas Bier vielleicht weniger. Wie geht das?
Dieses eher bescheidene Beispiel eignet sich gut, um einmal
den „Lebenslauf“ eines Bierchen-Preises vom Hopfenzupfer bis zum Bierchenzapfer
zu verfolgen.
Der Hopfenbauer braucht eine neue Hopfenzupfmaschine. Dafür
nimmt er einen Kredit bei der Bank. Dafür nimmt die Bank von ihm Zinsen. Diese
Zinskosten hüpfen in den Hopfenpreis und heißen jetzt „Kapitalkosten.“ Dann
kommt der Spediteur und fährt den Hopfen zur Brauerei. Der Spediteur braucht
einen neuen Lastwagen, nimmt Kredit und zahlt natürlich Zinsen dafür. Die
wiederum schlägt er seinen Preisen fürs Transportieren auf. Die Brauerei zahlt
die Zinsen vom Hopfenbauer und vom Hopfenfahrer. Auch die Brauerei braucht
etwas Neues, zum Beispiel neue Maschinen oder neue Lastwagen, um das Bier zum
Wirt zu fahren. Wieder Kredite, wieder Zinsen. Der Wirt zahlt die Zinsen vom
Hopfenbauer und vom Hopfenfahrer und vom Bierbrauer. Auch der Wirt muss
investieren, zum Beispiel renovieren, nimmt Kredit und zahlt Zinsen. Auch die
zischen dann neben den Hopfenzupferzinsen und allen weiteren Lieferanten-Zinsen
in jedem Bierchen mit, das an den Tischen und Theken getrunken wird. Im Preis
sind dann alle Zinskosten vom Zupfer bis zum Zapfer drin. Und dazu gehören auch
die Zinsen, die schon in den Kaufpreisen der Maschinen und Lastwagen und in
allen anderen Anschaffungen und Einkäufen in der ganzen Lieferantenkette
enthalten waren.
Diese Zins-Kumulierungen in allen Preisen ergeben am Ende
durchschnittlich dreißig Prozent der „eigentlichen“ Endpreise. So ist es bei
allem, was wir bezahlen. An jeder Kasse.
Rechnet man diese Zinslasten in Arbeitszeiten um, dann
musste 1950 jeder Erwerbstätige dafür „nur“ einige Wochen arbeiten, im Jahr
2000 einige Monate. So sieht das aus, wenn „Geld arbeitet.“
An dieser Stelle könnte einer denken, dass er ja selbst Geld
angelegt hat und dafür Zinsen bekommt und also fein heraus ist. Es kommt aber
darauf an, wie viel Geld man angelegt hat, um nicht trotzdem mehr Zinsen dort
zu zahlen, als man hier bekommt. Wie viel also?
Auch das hat der renommierte Geld- und Zins-Experte Helmut
Creutz ermittelt, dessen Berechnungen hier zugrunde liegen. In einer seiner
berühmten Tabellen kann man anhand der persönlichen Ausgaben feststellen, ob
man zu den Gewinnern oder Verlierern beim großen Zins-Monopoly gehört. Dort
heißt es:
„Zum Ausgleich Ihrer Zinslasten müssten Sie über ein
Vermögen verfügen, das etwa dem Zehnfachen Ihrer Jahresausgaben entspricht.“
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Der Mega-Betrug
Konsumenten und Steuerzahler in den entwickelten
Volkswirtschaften wie der Schweizerischen nähren einen ununterbrochen
fließenden Geldstrom von rund einem Drittel des Volkseinkommens an die
Geldverleiher. Nutznießer dieses in jeden Geldbeutel hinein reichenden „Absaug-Systems“
sind weniger als zehn Prozent der Bevölkerung, die mehr Zinsen einnehmen, als
sie bezahlen. Die Folgen dieses Systems lassen sich schon lange in der so
genannten „Dritten Welt“ beobachten, aber inzwischen auch immer mehr in den so
genannten „Geberländern,“ die in Wirklichkeit mehr nehmen als geben. Dass es
trotzdem auch in diesen reichen Ländern zu immer größeren wirtschaftlichen,
sozialen und dann auch politischen Verwerfungen kommt, geht ausschließlich auf
das Konto des Zinssystems, das sich sowohl offen als auch verdeckt (in allen
Preisen) wie eine Mega-Krake durch die ganze Welt und in das Leben fast aller
Menschen dieser Welt frisst.