HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
Hans Olbrich, © Marcus Gruber
Hans Olbrich. Seit 40 Jahren Informationsgestalter und Autor für Unternehmen, Organisationen und Redaktionen.
3.4.2006 | Druckansicht

Geld & Wirtschaft

Die Rendite-Diktatur und die Abzockautomatik

Fünfter Teil des neunteiligen Dossiers

Beitrag von Hans Olbrich

Auch wer keine Schulden hat, zahlt Zinsen. An jeder Kasse.

So ist es bei allen Waren und bei allen Dienstleistungen, die an der Kasse im Supermarkt oder im Bierlokal oder per Überweisung auf ein Konto bezahlt werden:

In jedem Preis, in jedem Rechnungsbetrag werden auch Zinsen mitgezahlt, die andere schon bezahlt und auf ihre reinen Produktionspreise aufgeschlagen haben. Und das summiert sich. Auf wie viel? Bitte durchatmen: durchschnittlich dreißig Prozent, in Ausnahmefällen wie „Mietzins“ weit mehr, im Preis zum Beispiel für ein Glas Bier vielleicht weniger. Wie geht das?

Dieses eher bescheidene Beispiel eignet sich gut, um einmal den „Lebenslauf“ eines Bierchen-Preises vom Hopfenzupfer bis zum Bierchenzapfer zu verfolgen.

Der Hopfenbauer braucht eine neue Hopfenzupfmaschine. Dafür nimmt er einen Kredit bei der Bank. Dafür nimmt die Bank von ihm Zinsen. Diese Zinskosten hüpfen in den Hopfenpreis und heißen jetzt „Kapitalkosten.“ Dann kommt der Spediteur und fährt den Hopfen zur Brauerei. Der Spediteur braucht einen neuen Lastwagen, nimmt Kredit und zahlt natürlich Zinsen dafür. Die wiederum schlägt er seinen Preisen fürs Transportieren auf. Die Brauerei zahlt die Zinsen vom Hopfenbauer und vom Hopfenfahrer. Auch die Brauerei braucht etwas Neues, zum Beispiel neue Maschinen oder neue Lastwagen, um das Bier zum Wirt zu fahren. Wieder Kredite, wieder Zinsen. Der Wirt zahlt die Zinsen vom Hopfenbauer und vom Hopfenfahrer und vom Bierbrauer. Auch der Wirt muss investieren, zum Beispiel renovieren, nimmt Kredit und zahlt Zinsen. Auch die zischen dann neben den Hopfenzupferzinsen und allen weiteren Lieferanten-Zinsen in jedem Bierchen mit, das an den Tischen und Theken getrunken wird. Im Preis sind dann alle Zinskosten vom Zupfer bis zum Zapfer drin. Und dazu gehören auch die Zinsen, die schon in den Kaufpreisen der Maschinen und Lastwagen und in allen anderen Anschaffungen und Einkäufen in der ganzen Lieferantenkette enthalten waren.

Diese Zins-Kumulierungen in allen Preisen ergeben am Ende durchschnittlich dreißig Prozent der „eigentlichen“ Endpreise. So ist es bei allem, was wir bezahlen. An jeder Kasse.

Rechnet man diese Zinslasten in Arbeitszeiten um, dann musste 1950 jeder Erwerbstätige dafür „nur“ einige Wochen arbeiten, im Jahr 2000 einige Monate. So sieht das aus, wenn „Geld arbeitet.“

An dieser Stelle könnte einer denken, dass er ja selbst Geld angelegt hat und dafür Zinsen bekommt und also fein heraus ist. Es kommt aber darauf an, wie viel Geld man angelegt hat, um nicht trotzdem mehr Zinsen dort zu zahlen, als man hier bekommt. Wie viel also?

Auch das hat der renommierte Geld- und Zins-Experte Helmut Creutz ermittelt, dessen Berechnungen hier zugrunde liegen. In einer seiner berühmten Tabellen kann man anhand der persönlichen Ausgaben feststellen, ob man zu den Gewinnern oder Verlierern beim großen Zins-Monopoly gehört. Dort heißt es:

„Zum Ausgleich Ihrer Zinslasten müssten Sie über ein Vermögen verfügen, das etwa dem Zehnfachen Ihrer Jahresausgaben entspricht.“

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Der Mega-Betrug

Konsumenten und Steuerzahler in den entwickelten Volkswirtschaften wie der Schweizerischen nähren einen ununterbrochen fließenden Geldstrom von rund einem Drittel des Volkseinkommens an die Geldverleiher. Nutznießer dieses in jeden Geldbeutel hinein reichenden „Absaug-Systems“ sind weniger als zehn Prozent der Bevölkerung, die mehr Zinsen einnehmen, als sie bezahlen. Die Folgen dieses Systems lassen sich schon lange in der so genannten „Dritten Welt“ beobachten, aber inzwischen auch immer mehr in den so genannten „Geberländern,“ die in Wirklichkeit mehr nehmen als geben. Dass es trotzdem auch in diesen reichen Ländern zu immer größeren wirtschaftlichen, sozialen und dann auch politischen Verwerfungen kommt, geht ausschließlich auf das Konto des Zinssystems, das sich sowohl offen als auch verdeckt (in allen Preisen) wie eine Mega-Krake durch die ganze Welt und in das Leben fast aller Menschen dieser Welt frisst.

Inhaltsübersicht

Die Rendite-Diktatur und …

(1) … die Menschen
(2) … die Demokratie
(3) … die Wachstumsformel
(4) … die Arbeitslosigkeit
(5) … die Abzockautomatik
(6) … die Verschuldung
(7) … die Milliardäre
(8) … die Geldreform
(9) … die Bodenreform

Alle Teile des Dossiers sind in einem PDF zusammengefasst, das Sie herunterladen und offline lesen können: olbrich,hans-renditediktatur.pdf (171.20 KB)

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