HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
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Hans Olbrich. Seit 40 Jahren Informationsgestalter und Autor für Unternehmen, Organisationen und Redaktionen.
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Thomas Seltmann (Jahrgang 1972) ist Experte für nachhaltige Energiewirtschaft, Autor und Berater für Solartechnik ("Photovoltaik - Strom ohne Ende", Solarpraxis Verlag Berlin), untersucht und propagiert Alternativen zur herrschenden Ökonomie, engagiert sich für mehr Demokratie und hält Vorträge zu Themen wie "Überall fehlt plötzlich das Geld - warum eigentlich?" und "Mehr Wohlstand ohne Wachstum."
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1.8.2004 | Druckansicht

Geld & Wirtschaft

Wissenswachstum statt Wirtschaftswachstum

Artikel von Hans Olbrich, Thomas Seltmann

„Wachstum“ tönt es täglich aus den Medien, wenn Lösungen zu Problemen wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit und Armut meist so kompliziert diskutiert werden, dass niemand es versteht. Aber ist Wachstum überhaupt die Lösung? Zweifellos wurde durch Wirtschaftswachstum viel erreicht. Das (west)deutsche Wirtschaftswunder war ein Wachstumswunder. Zunächst jedenfalls. Zweifellos hat der mit dem Wachstum der Wirtschaft verbundene „Fortschritt“ viel Angenehmes gebracht. Zunächst jedenfalls. Elektrizität und Elektronik haben den Alltag der Menschen innerhalb weniger Jahrzehnte revolutioniert. Waschmaschinen statt Waschbretter, Staubsauger statt Staubwischer, Pferdestärken im statt vor dem Wagen. Juhu. Und seither wird „Wachstum“ mit „Wunder“ verwechselt. Aber das Fortschritts-Juhu ist leiser geworden seit Contergan, seit Tschernobyl, seit BSE, seit, seit, seit. Das Juhu von einst wich zunehmender Angst zum Beispiel vor der Atom- und Gentechnikindustrie, vor den Chemie- und Pharma- und anderen Konzernen, die immer mehr Unnötiges und Gefährliches entwickeln, produzieren und mit rigorosen Methoden „vermarkten“. Was steckt eigentlich wirklich hinter diesem ständigen Zwang zum Wachstum, das angeblich dem Wohl der ganzen Welt dient, obwohl Mensch und Natur immer mehr darunter leiden? Was ist es, das diese widersprüchliche Entwicklung immer weiter antreibt? Die Antwort ist einfach. Und wahrscheinlich wieder einmal zu einfach für die offiziellen Wachstumsapologeten, die bei Anfrage ein Feuerwerk von Expertenwissen zünden, in dem die systemisch bedingten Widersprüche mit Wissenswortkaskaden vernebelt, der gesunde Menschenverstand überrollt und der Laie entmündigt wird.

Zu dieser allgemeinen Entmündigung bemerkt Erich Fromm in seinem Buch „Die Furcht vor der Freiheit“ (DVA, Stuttgart 1983): „In Bezug auf alle Grundfragen im Leben des Einzelnen und der Gesellschaft, in Bezug auf alle psychologischen, wirtschaftlichen, politischen und moralischen Probleme hat ein großer Sektor unserer Kultur nur die eine Funktion: das, worum es geht, zu vernebeln. Die Behauptung, die Probleme seien zu kompliziert, als dass der Durchschnittsmensch sie verstehen könne, ist dabei nur eine Verschleierungstaktik. Mir scheint dagegen, dass viele der Grundprobleme des Einzelnen und der Gesellschaft sehr einfach, ja so einfach sind, dass man von jedermann erwarten könnte, dass er sie begreift. Wenn man sie als so kompliziert hinstellt, dass nur ein „Spezialist“ sie verstehen kann, und auch dieser nur auf seinem eigenen begrenzten Gebiet, dann nimmt man – oft sogar absichtlich – den Leuten den Mut, in Bezug auf die wirklich wichtigen Probleme ihrer eigenen Denkfähigkeit zu trauen. Der einzelne Mensch steht dann hilflos einer chaotischen Masse von Daten gegenüber und wartet mit einer rührenden Geduld darauf, dass die Spezialisten herausfinden, was man zu tun habe und welcher Weg einzuschlagen ist. Die Beeinflussung der Menschen hat zweierlei zur Folge: Einmal bringt sie eine skeptische und zynische Einstellung zu allem hervor, was gesagt und gedruckt wird; andererseits führt sie zu einem kindlichen Glauben an alles, was einem von einer Autoritätsperson gesagt wird. Diese Verbindung von Zynismus und Naivität ist für den modernen Menschen höchst kennzeichnend. Die wesentliche Folge davon ist, dass er den Mut zu eigenem Denken und zu eigenen Entscheidungen verliert.“

Warum funktioniert die Wachstumsdoktrin nicht mehr?

Trotz aller Widersprüche wird „Wachstum“ weiterhin als Lösung aller Probleme beschworen. Dabei wurden die Probleme plötzlich immer größer, je länger das Wirtschaftswachstum währte, nachdem es mit dem „Wirtschaftswunder“ zwar hoffnungsvoll begonnen hatte, inzwischen aber vorbei ist. Woher aber stammt der plötzliche Knick in dieser Entwicklung? Warum fehlt plötzlich überall das Geld? Warum bringt das Wachstum nicht immer mehr Wohlstand wie zu Beginn, sondern plötzlich immer weniger Wohlstand? Warum nicht mehr Lebensqualität, sondern mehr Lebensangst? Warum nicht mehr Arbeitsplätze, sondern immer mehr Arbeitslose? Warum nicht „blühende Landschaften“, sondern Naturzerstörung?

Um die Antwort zu finden, ist jedes der hier genannten oder nicht genannten Problemfelder als Beispiel für eine Erklärung geeignet. Besonders einfach und deshalb plausibel ist es anhand der ohnehin zentralen Frage nach den Ursachen der Arbeitslosigkeit darstellbar. Genauer ist der Singular: die Ursache der Arbeitslosigkeit. Und die wiederum ist Ursache vieler anderer Probleme wie zum Beispiel die der Auszehrung der Sozialsysteme.

Erste Fragen zur Arbeitslosigkeit als Kernproblem

Wann und wo immer über die Arbeitslosigkeit geredet oder geschrieben wird, fällt das Wort „Wachstum“. Da liegt doch nichts näher als ein Blick zurück. Horst Afheldt schreibt darüber in seinem aktuellen Buch (1): „Der Wachstumspfad des Sozialprodukts/BIP der Bundesrepublik folgt seit 1950 nahezu unverändert derselben Geraden. (…) Lineares Wachstum bedeutet, dass jedes Jahr (etwa) die gleiche Summe zum Sozialprodukt hinzukommt. (…) Nicht nur das Wachstum in der Bundesrepublik, sondern das Wachstum praktisch aller ‚frühindustrialisierten’ Nationen folgt diesem Gesetz des linearen Wachstums. (…) Und auch die USA, die beim Wachstum des Sozialprodukts im Ganzen noch eine Ausnahme bilden, zeigen beim Sozialprodukt pro Kopf der Bevölkerung nur lineares Wachstum. (…) Sicher, Wachstum längs einer Geraden, lineares Wachstum, ist Wachstum mit abnehmenden jährlichen Wachstumsraten. Aber ein solches Wachstum reichte, um aus der armen Bundesrepublik von 1950 den ‚Wohlstand für alle’ des Anfangs und Mitte der 70er Jahre zu machen. (…) Einem funktionierenden Industriesystem müsste lineares Wachstum daher erstrecht reichen. Es müsste mit sehr viel weniger Wachstum wachsenden Wohlstand schaffen können. Es sei denn, das Wirtschaftssystem lenkt die Erträge in Sackgassen.“

Wer auf mehr als das bisherige lineare Wachstum setze, so Afheldt, hoffe auf Wunder. Und nicht nur diese Hoffnung, sondern auch die Umsetzung von Wirtschaftswachstum in „Wohlstand für alle“ entpuppe sich als Fata Morgana. „Hoffen, die zentralen Probleme Abwanderung von Industrie, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung würden sich durch eine Konjunkturbesserung lösen, wird so zum Warten auf Godot – und der kam bekanntlich nie.“ Und Afheldt zitiert Meinhard Miegel, der darin ein tiefer liegendes Missverständnis erkennt: „Schon der gedankliche Ansatz ist falsch. Arbeit entsteht nicht durch Wachstum, sondern Wachstum durch Arbeit. Das ist zahllose Male festgestellt worden, hat aber im öffentlichen Bewusstsein kaum Spuren hinterlassen.“

Horst Afheldt erklärt auch, warum das so ist: „Bis in die siebziger Jahre stiegen die Nettorealeinkommen aus abhängiger Tätigkeit in der BRD – wie auch in den anderen europäischen Industrienationen – nicht viel langsamer als das Sozialprodukt. Doch in der Phase der neoliberalen Ordnung seit Ende der siebziger Jahre zeigen die Kurven eine geradezu explodierende Ungleichheit der Erträge des Wachstums. Selbst das durchschnittliche monatliche Bruttolohneinkommen konnte mit der Steigerung des Bruttosozialprodukts nicht mehr mithalten. Die Ursache ist eine starke Kombination aus zwei Faktoren: dem Weltmarktdruck auf die Löhne und der Verschiebung des Anteils am Sozialprodukt – weg von der Arbeit hin zum Kapital. Die zunehmende Arbeitsproduktivität und die damit verbundene wachsende Kapitalintensität verlagern das aus der Produktion entstehende Einkommen zwangsläufig immer mehr auf Einkommen aus Vermögen und Unternehmen.“

Kurzexkurs in Wirtschaftswissen ohne „schaft“

Um das zu verstehen, sollte man sich erst einmal klar machen, wofür denn Staat und Wirtschaft überhaupt Geld ausgeben. Es sind nämlich am Ende immer nur zwei Kostenposten, auf die sich alles Handeln zurückführen lässt, das Geld kostet: Personalkosten und Kapitalkosten. Keine Materialkosten. Denn: Alles, was wir physisch sind und haben, kommt aus der Erde. Wenn irgendwelche Rohstoffe aus der Erde geholt werden, dann schreibt die Erde keine Rechnung. Kosten entstehen erst durch die Arbeitskräfte (= Personalkosten) und durch das Kapital, das zum Herausholen und Weiterverarbeiten gebraucht wird, also zum Beispiel für den Bau und Betrieb von Werkzeugen, Maschinen, Fabriken, Verkehrsmitteln und -wegen, um Materialien zu bergen und zu transportieren. Und dieses Kapital kostet in unserem Geldsystem immer Geld (= Kapitalkosten). Deshalb bestehen also auch Materialkosten in Wirklichkeit nur aus Personalkosten und Kapitalkosten. Das gilt ausnahmslos für alle privatwirtschaftlichen und für alle staatswirtschaftlichen Ausgabeposten – inklusive der Sozialkosten, die auch nur Personalkosten sind, weil Sozialkosten aus Lohnkosten abgezweigt und dann wieder in Form von Lohnersatzleistungen neu verteilt werden.

Fazit: Egal anhand welcher Beispiele man es untersucht, es kommt am Ende immer wieder heraus, dass es prinzipiell nur Personalkosten und Kapitalkosten gibt und nichts sonst – gleich welche Differenzierungen und Komplizierungen vielerorts und vielerkopfs da hineingedacht, -geredet und -geschrieben werden.

Wenn man diese beiden Kostenpunkte volkswirtschaftlich aufsummiert, dann teilt sich auch das ganze Sozialprodukt (= Volkseinkommen) eines Staates nur in zwei Posten: Arbeitserträge und Kapitalerträge. Selbst die Gewinne der Unternehmenseigentümer sind genaugenommen im Wesentlichen Kapitalerträge und ein geringer Anteil Unternehmerlohn. Arbeitserträge sind Löhne und Gehälter. Kapitalerträge sind Zinsgewinne (2). Je nachdem, wie sich das aufteilt, bleibt nach den Zinskosten, die als unantastbar gelten, eben der Rest für die Arbeitserträge. Wenn dieser Restanteil immer kleiner wird, dann gibt es wiederum nur zwei Möglichkeiten: Man zahlt den Arbeitnehmern geringere Löhne und Gehälter oder man zahlt die gleichen Löhne und Gehälter und streicht dafür entsprechend viele Arbeitsplätze. Bisher wurde in Deutschland vor allem das Streichen von Arbeitsplätzen praktiziert. So entstand die viel beklagte Arbeitslosigkeit. Heute geht man dazu über, zusätzlich zu den Entlassungen den verbleibenden Arbeitnehmern weniger zu bezahlen und zusätzliche Arbeitszeit abzuverlangen. Zur Erinnerung: Das ist das Ergebnis von rund fünfzig Jahren Wirtschaftswachstum, das in den letzten Jahren nur scheinbar geringer ausfiel (3).

Der Wirtschaftsanalytiker Helmut Creutz hat in seinen Untersuchungen (4) festgestellt, dass nicht nur die Pro-Kopf-Nettoeinkommen der Arbeitnehmer weit hinter den Entwicklungen der Wirtschaftsleistung zurückgeblieben sind, sondern auch die Bruttoeinkommen. Gemessen an der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes stiegen die Bruttoeinkommen nur um 74 Prozent, die Nettoeinkommen sogar nur um 57 Prozent. Dagegen sind die reinen Geldvermögensbestände von 1950 bis 2000 fünfmal und die Zinserträge sechsmal schneller angestiegen als das Bruttoinlandsprodukt. Die Geldvermögen stiegen damit neunmal schneller und die Zinserträge zehnmal schneller als die Nettoeinkommen der Arbeitnehmer.

Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungen der realwirtschaftlichen und monetären Größen ergibt sich bei der Verteilung der Einkommen also eine zunehmende Diskrepanz zwischen Arbeits- und Kapitaleinkommen. Die Ansprüche, die aus angelegten Geldvermögen und den entsprechenden Schulden multipliziert mit dem Zinssatz resultieren, sind nicht nur vorab vertraglich festgelegt, sondern nehmen – bedingt durch den Automatismus des Zins- und Zinseszinseffekts – auch noch von Jahr zu Jahr zu. Und diese Ansprüche gelten unabhängig davon, ob die Wirtschaft gewachsen ist oder nicht. Das heißt: Je geringer das prozentuale Wachstum der Wirtschaft ist, desto dramatischer wirken sich die Folgen der festliegenden und sogar weiter wachsenden Ansprüche des Geldkapitals aus. Die soziale Sprengkraft dieser Diskrepanz zwischen Arbeits- und Kapitaleinkommen wird durch die Konzentration der Vermögen und Zinseinkommen bei einer Minderheit noch verstärkt: Nach offiziellen Erhebungen verfügt die ärmere Bevölkerungshälfte nur über vier Prozent der Geldvermögen, die besser situierte dagegen über 96 Prozent. Und auch bei dieser reicheren Hälfte konzentriert sich das Vermögen überwiegend bei nur einem Zehntel der Gruppe.

Wenn das Wachstum der Wirtschaft also nicht mit dem Wachstum des Kapitals Schritt hält, müssen die steigenden Kapitalansprüche entweder durch Arbeitslosigkeit oder Lohnsenkung ausgeglichen werden. Das heißt aber auch, dass unter den heutigen Bedingungen Vollbeschäftigung nur durch ein Wirtschaftswachstum in den Griff zu bekommen wäre, das mindestens so hoch sein müsste wie die exponentiell wachsenden Ansprüche des Kapitals.

Wachstumsarten

Grafik 1: Lineares und exponentielles Wachstum
Die helle Kurve zeigt den Verlauf linearen Wachstums, die dunkle Kurve verdeutlicht den Verlauf von exponentiellem Wachstum, bei dem sich Mengen in gleichen Zeitabständen jeweils verdoppeln. Das lineare Wachstum findet sich im Verlauf der Wirtschaftsleistung „aller frühindustrialisierten Nationen“ (Afheldt) wieder, das exponentielle Wachstum in der Vermögensentwicklung und damit in der Zinsbelastung der Volkswirtschaften. Dieser exponentielle Effekt ist der Grund, warum es in den fünfziger Jahren das „Wirtschaftswunder“ inklusive „Juliusturm“ (Rücklagen des damaligen Finanzministers) geben konnte und warum es heute an ein Wunder grenzt, wie Hans Eichel bei Staatsschulden von über 1.370 Milliarden Euro (plus 2.534 Euro pro Sekunde laut Bund der Steuerzahler) noch lächeln kann.

Was die Wachstumsapologeten wollen

Die Wachstumsfreunde träumen offenbar davon, dass die Arbeitsleistung, also das Bruttosozialprodukt, schneller wachsen müsse als die Kapitalkosten, sprich Zinsansprüche. Der nach Zahlung dieser Kapitalkosten verbleibende Rest für Personalkosten (= Arbeit) würde dann entweder gleich groß bleiben oder sogar wachsen. In diesem Fall könnten wieder mehr Arbeitnehmer beschäftigt werden, so dass die Arbeitslosigkeit dann irgendwann ein Ende hätte. Die Wachstumsfreunde träumen also schlicht von einer Umkehr der heutigen Realität bei Kapital- und Personalkosten, wobei die Kapitalkosten als unantastbar behandelt werden: „Die müssen bezahlt werden“, so der Finanzwissenschaftler und gern gefragte Medien-Gesprächspartner Prof. Rolf Peffekoven in einem Spiegel-Interview5) (Ausgabe Nr. 21 vom 19. Mai 2003).

Aber aus nunmehr jahrelanger Erfahrung wissen alle, dass es so nicht mehr funktioniert. Warum „nicht mehr“? In der Tat war es früher einmal anders. Der Denkfehler ist, dass alles so geblieben ist wie zu Ludwig Erhards Zeiten und dass es immer so weitergehen müsste. Also rufen alle unisono nach Wachstum, als hätten wir noch die Verhältnisse der fünfziger Jahre, genauer: das damalige Verhältnis zwischen Wirtschaftsleistung und Kapitalkosten, noch genauer: eine schneller als die Kapitalkosten wachsende Wirtschaft und eben nicht schneller als die Wirtschaft wachsende Kapitalkosten. Dazwischen liegen runde fünfzig Jahre, in denen der Zins als exponentieller Geldvermehrer gewirkt hat.

Größenentwicklung von Wirtschaftsleistung und Einkommen seit 1950

Grafik 2: Entwicklung von Wirtschaftsleistung, Kapital- und Arbeitseinkommen im Vergleich
Seit etwa Ende der 70er Jahre steigen die Ansprüche der Kapitaleinkünfte an das Sozialprodukt schneller als die Wirtschaftsleistung. Deshalb sinkt der Anteil der Arbeitseinkommen von Jahr zu Jahr trotz Wirtschaftswachstum. Die exponentielle Entwicklung der Vermögen durch Zinsen und Renditen wirkt sich dramatisch auf die Einkommensverteilung aus, seit die Vermögen schneller wachsen als das „nur“ linear wachsende Sozialprodukt. Wäre Ludwig Erhard heute Wirtschaftsminister hätte er die gleichen Probleme wie Hans Eichel.

Obwohl diese Entwicklung offensichtlich außer Kontrolle geraten ist, wird Wachstum weiterhin als die einzige Lösung der Probleme propagiert, die es erzeugt hat. Dabei sind die sozialen und ökologischen Folgen der Wachstumsdoktrin bereits verheerend: Mensch, Tier und Natur werden immer härter ausgebeutet, die letzten Ressourcen der Erde werden geradezu hektisch exploriert und extrahiert, exportiert und importiert, von hier nach da transportiert und an den Börsen hin und her notiert. Gleichzeitig soll immer mehr gespart werden.

So sagen die Wachstumsfreunde, dass die Lohnkosten zu hoch sind und dass die Löhne und die Sozialleistungen geringer und der Urlaub kürzer und die Arbeitszeit länger werden müssen, und dass der Staat einen Teil der Lohnkosten der Unternehmen aus Steuergeldern bezahlen und sich ruhig weiter verschulden soll.

Das alles ist nicht nur in der Diskussion, sondern wird auch schon erprobt. Löhne werden gekürzt, Arbeitszeiten verlängert. Beispiel Lufthansa, Beispiel Siemens: Arbeitnehmer werden erpresst mit der Wahl, zu akzeptieren oder den Arbeitsplatz zu verlieren, weil er sonst in ein Billiglohnland verlegt wird. Am Ende springt dann auch noch der Staat mit Lohnzuzahlungen ein und nennt das verschämt den „Arbeitsmarkt zwei“.

Was die Wissenschaftler sagen

Die Wirtschaftswissenschaftler propagierten in den letzten Jahrzehnten eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, mit der die Unternehmen unterstützt und entlastet wurden, damit sie günstiger produzieren konnten, damit die Leute sich ihre Produkte leisten konnten. Das war noch der gute alte Wirtschaftswundermotor. Als dieser Motor zu stottern begann, propagierten die Wirtschaftswissenschaftler eine nachfrageorientierte Politik, mit der die Leute mehr Geld zum Konsumieren haben sollten, weil die Unternehmen dann mehr Geld einnehmen und wieder investieren könnten. So fordern es einige der „Wirtschaftsweisen“ jetzt. Vielleicht sind sie mit ihrem Latein am Ende, denn nachfrageorientierte Politik heißt nichts anderes, als den Staat zahlen zu lassen, das heißt ihn aufzufordern, sich immer mehr zu verschulden, um ihn bei nächster Gelegenheit dafür zu schelten und aufzufordern, Subventionen und Sozialleistungen weiter zu kürzen.

Was die Politiker und die Medien sagen

Die Politiker rufen unisono nach weiterem Wachstum. Was sagen die Medien dazu? Sie rufen unisono nach weiterem Wachstum. So wird geredet und geschrieben und gedruckt und gesendet, als gäbe es das Thema Kapitalkosten gar nicht. Prof. Peffekoven: „Die müssen bezahlt werden.“ Helmut Creutz: „Die prekäre Gesamtsituation ist weniger die Folge überzogener Ansprüche an den Sozialstaat als die der zunehmenden Ansprüche des Kapitals an das Sozialprodukt.“

Das Tabu im toten Winkel

Um eine Lösung zu finden, müsste erst einmal der tote Winkel im Denken der Finanz- und Wirtschaftswissenschaftler und ihrer Gläubigen in Politik, Wirtschaft und Medien ausgeleuchtet werden. Dann würde nämlich sichtbar, dass – wie Helmut Creutz das sieht – „die Wirtschaft gar nicht mehr so schnell wachsen kann, wie Vermögen und Zinszahlungen zunehmen. Deshalb bleibt nur, die Zinssätze und damit die Wachstumsraten der Geldvermögen und Schulden auf die Wachstumsraten der Wirtschaft abzusenken. Nur so könnte ein weiteres Auseinanderklaffen der Armut-Reichtum-Schere verhindert werden.“

Und Dieter Suhr (6) stellt lakonisch fest: „Wenn nun nicht nur die Symptome des Systems behandelt werden sollen, sondern auch seine Ursachen, dann muss die Eigenschaft des Geldes, Zinsen zu bringen, beeinflusst werden.“ In der gleichen Richtung argumentiert Helmut Creutz: Nur wenn alle vorher genannten Wachstums- und Anspruchsentwicklungen gemeinsam gegen Null tendieren, könnte es zu einer wirklichen Entspannung der Situation kommen, die neben dem sozialen Frieden auch den Frieden mit der Natur einschließt. Ohne diese dringend nötige Korrektur bleibt nur die Alternative, entweder mit mehr Wachstum in den ökologischen oder mit weniger Wachstum in den sozialen Kollaps zu stürzen. Das Erkennen und Korrigieren des Irrtums vom „Wachstum“ ist bereits ein Wettlauf mit der Zeit.

Sieben Fragen an einen ehemaligen „Wirtschaftsweisen“

„Die Stunde der Wahrheit im Land der Lügen“ verkündete der Spiegel auf der Titelseite der Ausgabe Nr. 21 vom 19. Mai 2003, aber die Stichworte über diesem Satz waren nicht vollständig: „Wirtschaftskrise, Steuerdesaster, Staatsversagen“ stand da nur. Von einem Zinsdesaster war nicht die Rede. Im Heft aber stand ein Interview mit dem Finanzwissenschaftler und ehemaligen Mitglied des Sachverständigenrates, Prof. Rolf Peffekoven, der auf den Punkt kam: „Die Zinsbelastung steigt immer weiter an.“ Und weiter: „An diesen Ausgaben ist nichts zu kürzen. Die müssen gezahlt werden“. Und was muss nicht gezahlt werden? Auch dazu eine klare Antwort des angesehenen Finanzwissenschaftlers: „Man wird nicht umhinkommen, in Leistungsgesetze, die heute bestehen, einzugreifen. Das heißt Zusagen für Subventionen, Zusagen für soziale Transferleistungen, Zusagen, arbeitspolitische Maßnahmen zu finanzieren, können nicht länger aufrechterhalten werden.“ Dazu stellte Hans Olbrich – damals Redakteur eines anderen Blattes – Herrn Prof. Peffekoven sieben Fragen, die auf Berechnungen und Veröffentlichungen von Helmut Creutz basieren (alle Zahlen aus dem Jahr 2003).

1. Frage

In unserer Wirtschaftspraxis bestimmt das Geldkapital selbst die Bedingungen, zu denen es sich für Kredite zur Verfügung stellt. Von der Akzeptanz dieser Bedingungen hängen Konjunktur und Arbeitsplätze ab. Zins und Zinseszins beeinflussen aber nicht nur die Wirtschaftsleistung, sondern auch das Wachstumstempo der Geldvermögen, deren Zunahme immer weniger aus ersparten Arbeitseinkommen, sondern immer mehr aus Zinsgutschriften besteht: Während die Wirtschaftsleistung von 1991 bis 2001 um 37 Prozent und die Nettolöhne nur um 23 Prozent wachsen konnten, stiegen die Zinsaufwendungen der Banken um 95 Prozent und die Geldvermögen um 100 Prozent. Selbst die Bundesbank schrieb in den frühen neunziger Jahren einmal von einer „Selbstalimentation der Geldvermögen“ durch Zins und Zinseszinsen. „An diesen Ausgaben ist nichts zu kürzen. Die müssen gezahlt werden“, sagen Sie in Ihrem Spiegel-Interview über die Zinsschulden unseres Staates im Kontext zu den „sozialen Transferleistungen“, die „nicht länger aufrechterhalten werden“ können. Haben wir Sie richtig verstanden, dass Sie damit den Anspruch des Geldkapitals bestätigen, vorrangig bedient zu werden?

2. Frage

„Wir haben nachhaltig über unsere Verhältnisse gelebt“ hieß es vom Bundesfinanzminister, und jetzt müsse also gespart werden wie noch nie seit dem Neubeginn 1948. Dabei stellt er gleichzeitig den Beweis dafür bereit, dass der Staat gar nicht sparen kann, sondern die Schuldenspirale weiter in Gang halten muss, um nicht noch mehr Unternehmen in die Pleite und noch mehr Arbeitnehmer auf die Straße zu schicken. Dafür erfindet der Finanzminister immer neue Methoden, um die zunehmende Verschuldung zu verstecken. Durch „zinsgünstige Darlehen“ zum Beispiel, um hier und da ein wenig zu helfen. Aber die Differenz zum „günstig“ schlägt wiederum im Bundeshaushalt zu Buche. Im Klartext: Immer mehr „Ausgaben“ des Staates sind also wiederum nichts anderes als Zinskosten, ohne dass sie als solche im Etat deklariert werden. Das Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushaltes muss doch pure Illusion bleiben, so lange die Wachstumsspirale aus Zins und Zinseszins nicht abgebremst wird. Haben Sie eine Idee, wie dem absehbaren Ende mit Schrecken entgegenzuwirken wäre?

3. Frage

Zwischen der Neuverschuldung des Staates und der Zinsentwicklung bestehen also sehr enge Zusammenhänge. Vor allem fällt auf, dass die Summe der in den letzten dreißig Jahren gezahlten Zinsen mit der Summe der öffentlichen Neuverschuldung weitgehend identisch ist. Das aber bedeutet nichts anderes als die frappierende Tatsache, dass die ganzen Kreditaufnahmen der öffentlichen Haushalte überhaupt nichts gebracht haben. Denn es waren ja keine realen Einnahmen, die zusätzliche Mittel für Investitionen bereitgestellt hätten. Die Zinszahlungen haben nur eine Minderheit von Kapitalbesitzern, die übriges Geld dem Staat leihen konnten, in gleicher Höhe reicher gemacht: Von 1970 bis 2000 um rund 1.900 Milliarden Mark oder 970 Milliarden Euro. Das ist der Löwenanteil an den heutigen Staatsschulden von 1.200 Milliarden Euro, die mit täglich 180 Millionen, monatlich 5,6 Milliarden oder jährlich 67 Milliarden Euro Zinsen bedient werden müssen. Glauben Sie, Herr Prof. Peffekoven, dass diese Verpflichtungen durch Einsparungen bei den „sozialen Transferleistungen“ oder bei Investitionen der öffentlichen Hand aufgebracht werden können, ohne den Staat zu ruinieren? Oder ist es nicht an der Zeit, unserer Wirtschaft eine systemische Erkrankung zu attestieren und nach neuen Lösungen auf der Ebene der installierten Bedingungen zu suchen?

4. Frage

Wirtschaftswissenschaftler, Politiker, Manager und Medien pflegen unisono nach mehr Wirtschaftswachstum zu rufen, wenn die Wirtschaft Notsignale sendet. Und dies, obwohl jeder weiß, dass weder die Menschen noch die Natur immer mehr leisten können. Unbegrenztes Wachstum ist so tödlich wie der wuchernde Krebs oder die explodierende Atombombe, die beide nach dem gleichen „Wachstumsprinzip“ funktionieren wie der Zins, der nur etwas länger braucht: Alle drei folgen dem Prinzip des exponentiellen Wachstums, also der regelmäßigen Verdoppelung von Mengen. So werden aus einer zu 7 Prozent angelegten Million Euro innerhalb von 50 Jahren „ganz von selbst“ 32 Millionen. Aus diesen Zusammenhängen ergibt sich eine geradezu grausame Alternative, nämlich ohne Wachstum in den sozialen oder mit Wachstum in den ökologischen Kollaps zu stürzen. Da aber das Wirtschaftswachstum schon lange nicht mehr mit dem Wachstum der Geldvermögen und Zinsströme mithalten kann, steuern wir zwangsläufig auf beides zu. Können Sie, sehr geehrter Herr Professor Peffekoven, uns einen Ausweg aus dieser fatalen Zwickmühle in Aussicht stellen?

5. Frage

Zinsleistungen der Unternehmen gehen als Kapitalkosten genauso in die Produktpreise ein wie Material- und Personalkosten. Gleiches gilt für Steuern und Gebühren für die Leistungen von Ämtern und Behörden. Rechnet man die Zinskosten in Arbeitszeiten um, dann musste jeder Erwerbstätige 1950 etwa drei Wochen pro Jahr, 1975 sieben Wochen und im Jahr 2000 bereits mehr als ein Vierteljahr nur für Zinsen arbeiten. Selbst bei dieser zunächst vereinfachten Rechnung fallen also 25 Prozent Zinsen an, die jeder zahlt, auch wenn er keine Schulden hat. Natürlich stehen diesen letztlich von den Privathaushalten zu zahlenden Zinslasten auch entsprechende Zinseinkommen gegenüber. Diese verteilen sich aber nicht analog zur Höhe der Ausgaben, sondern analog zur Höhe der zinsbringenden Vermögen. Und die sind auffällig ungleich verteilt*): Nur 10 Prozent aller Haushalte sind die Gewinner, und diese Minderheit gewinnt dabei genau so viel, wie die anderen 90 Prozent verlieren. Halten Sie eine Gesellschaft mit diesen Verteilungsgewichten für zukunftsfähig?

6. Frage

Seit 1980 haben wir unser reales Sozialprodukt fast noch einmal verdoppelt und die Geldvermögen sogar verdreifacht. Und die Geldversorgung der Europäischen Zentralbank ist auch nicht zu knapp. Entgegen allen Behauptungen fehlt es in unserer Volkswirtschaft also nicht an Geld. Es sammelt sich jedoch aufgrund der durch Zins und Zinseszins bedingten Vermehrungsmechanismen immer mehr in ohnehin überfüllten Kassen. Für die Wirtschaft nutzbar zu machen sind diese Überschüsse nur, wenn sie erneut über Kredite in den Kreislauf zurückgeführt werden. Damit wachsen die Schulden, die Zinsströme und die Konzentration der Geldvermögen immer weiter. Geldvermögen und Schulden schaukeln sich also gegenseitig hoch. Währenddessen wachsen die Spannungen zwischen Arbeit und Besitz. Ernst Breit sprach schon vor vielen Jahren von „verschämter Armut“ und „unverschämtem Reichtum“, der die soziale Polarisierung zu einem explosiven Gemisch konzentriert. Können Sie sich vorstellen, dass die Einsicht der zuständigen Wissenschaftler und Politiker eines Tages so weit reicht, dass sie dem berühmten Satz von John F. Kennedy zustimmen „Wenn eine Gesellschaft den vielen, die arm sind, nicht helfen kann, kann sie auch die wenigen nicht retten, die reich sind“?

7. Frage

„Geld muss zirkulieren, damit die Wirtschaft rund läuft.“ Das sagen auch die Freunde des Zinssystems. Und sie argumentieren, dass sie mit dem Zins eine „Belohnung“ erhalten dafür, dass sie ihr Geld über Kredite in die Wirtschaft zurückführen. Erlauben Sie uns bitte einen Vergleich dazu, Herr Professor. Sie fahren mit Ihrem Auto in dichtem Verkehr, bleiben aber plötzlich in der Spur stehen, und während Ihre Nachfolger ein Hupkonzert aufführen, kommt ein Polizist und reicht Ihnen einen großen Geldschein durchs Fenster, damit sie weiterfahren und den Verkehr nicht länger blockieren. Der Widersinn ist offenkundig. Der Vorgang widerspricht allen Prinzipien, mit denen die öffentliche Ordnung in jedem anderen Bereich aufrechterhalten wird. Wir hielten es für vernünftig und rechtens, dem Blockieren von öffentlichen Einrichtungen durch Gebühren vorzubeugen, statt Belohnungen für die Freigabe erzwingen zu lassen. Der Effekt im Geldsystem wäre eine legale Konkurrenz zwischen einer „Geldblockierungsgebühr“ und dem Zins, der sich dann einfach nur noch nach den Mechanismen eines freien Marktes entwickeln würde. Was spricht eigentlich dagegen, die Prinzipien der öffentlichen Ordnung und die Logik des freien Wettbewerbs auch für das Geld einzuführen?

(1)
Horst Afheldt, Jahrgang 1924, von 1960 bis 1970 Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler. Danach Studienprojekte über friedenspolitische, ökologische und ökonomische Grundfragen am Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu den Themen Sozialstaat, Sicherheits- und Friedenspolitik. 1994 erschien sein viel beachtetes Buch „Wohlstand für niemand? Die Marktwirtschaft entlässt ihre Kinder“ und 2003 das Buch „Wirtschaft, die arm macht – Vom Sozialstaat zur gespaltenen Gesellschaft“, Antje Kunstmann Verlag, Mün­chen 2003.

(2)
An dieser Stelle kommt häufig der Einwand, dass nur die Zinsen für Kredite vertraglich festgelegt seien und die Renditen von Unternehmensbeteiligungen auch geringer ausfallen könnten, ja sogar negativ sind, wenn Unternehmen Verluste machen. Tatsächlich werden Verluste in einzelnen Jahren immer durch höhere Gewinne in anderen Jahren ausgeglichen, da ein Unternehmen sonst nicht überleben könnte. Entscheidend ist jedoch, dass ein Unternehmen für das Eigenkapital seiner Einleger (Aktien oder andere direkte Unternehmensbeteiligun­gen) immer deutlich höhere Gewinne erzielen muss, als es für die Zinszahlungen für Bankkredite notwendig wäre. Wer sich an einem Unternehmen beteiligt, will deutlich mehr Rendite, sprich Kapitalverzinsung erhalten, als wenn er das Geld bei einer Bank anlegt, denn das Risiko des Totalverlusts ist bei einer direkten Beteiligung an einem einzelnen Unternehmen natürlich größer. Die Zinsen für langfristige Spareinlagen bei der Bank geben also nur die Mindesthöhe der Renditen vor, die ein Unternehmen erzielen muss.

(3)
An diesem Sachverhalt ändert auch der Einwand nichts, dass die angeblichen Lasten der Wiedervereinigung oder des neoliberalen Welthandels die deutsche Wirtschaft beeinträchtigen. Denn erstens waren die Kosten der Wiedervereinigung zugleich ein gigantisches Konjunkturprogramm: Das für den Aufbau Ost eingesetzte Geld floss nämlich in Form von Investitionsaufträgen und Konsumausgaben in die Wirtschaft. Und zweitens zählt Deutschland als „Exportweltmeister“ vor den USA und Japan nicht zu den Verlierern, sondern zu den Gewinnern des Welthandels: Laut der Gewerkschaft ver.di sicherte der Exportüberschuss des Jahres 2003 rechnerisch 700.000 Arbeitsplätze.

(4)
Helmut Creutz: Das Geldsyndrom – Wege zu einer krisenfreien Marktwirtschaft. 5. Auflage, Verlagshaus Mainz, Aachen 2004

(5)
Weniger gern gefragt wurde Professor Peffekofen als die Redakteure dieser Zeitschrift daraufhin an anderer Stelle sieben Fragen an ihn richteten, die am Ende dieses Beitrags noch einmal abgedruckt sind. Er hat nie darauf geantwortet.

(6)
Prof. Dr. Dieter Suhr (1939-1990) war Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsinformatik an der Universität Augsburg und Mitglied des Bayerischen Verfassungs­gerichtshofes. Seine Forschungen galten vor allem den Grundrechten und dem Umweltrecht. Mit seinem Vortrag „Die Geldordnung aus verfassungsrechtlicher Sicht“ auf einem Symposium 1981 veröffentlichte er sein profundes Wissen und Arbeiten zu diesem Thema. Fortan widmete er seine umfassende Kompetenz sowie seine stets bis ins Detail präzise Begriffsklarheit der „Bändigung des Geldes mit Hilfe einer den Menschen dienenden Geldordnung“. Mit einer ganzen Reihe von Büchern hat er sich Verdienste erworben, die ihn in eine Reihe mit Proudhon, Gesell und Keynes stellen. Zu seinen Titeln zählen „Geld ohne Mehrwert“, „Befreiung der Marktwirtschaft vom Kapitalismus“ und weitere. Die Bücher sind leider vergriffen und nur in Bibliotheken verfügbar.

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