HUMONDE - Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft
Jens Hakenes
Jens Hakenes ist Diplom-Journalist und lebt als freier Autor, Webdesigner und Kommunikationsberater in Berlin (www.image-werkstatt.de).
1.6.2004 | Druckansicht

Praxis & Projekte

Regionale Sparkasse plant regionales Geld

Erstmals beschäftigt sich ein deutsches Geldinstitut öffentlich mit dem Thema Regiogeld. Die Sparkasse des Kreises Delitzsch-Eilenburg nahe Leipzig hatte prominente Gutachter beauftragt, die ihre Ergebnisse jetzt vorstellten. Denn die Region hat große Probleme: Fast zwanzig Prozent Arbeitslose, Betriebsansiedlungen immer seltener, Insolvenzen immer häufiger, Jugend weg nach Westen. Grund genug für die örtliche Sparkasse, nicht nur über Hilfe für die regionale Wirtschaft, sondern auch übers eigene Geschäft nachzudenken. Denn wenn es Arbeitgebern und Arbeitnehmern schlecht geht, geht es auch der Sparkasse nicht gut.

Bericht von Jens Hakenes

Mit Geld kennt sich Alfons Föhrenbach gut aus. Er ist Chef der Sparkasse Delitzsch-Eilenburg. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich auch mit den Schattenseiten des Geldes, spricht über das „Geldsyndrom“ und über die ständige Umverteilung von Arm zu Reich und darüber, dass man für die Region etwas tun müsse. Gedacht, gesagt, getan. Er beauftragte einen prominenten Ökonomen und einen prominenten Juristen mit der Prüfung der rechtlichen Voraussetzungen für die Einführung von Regiogeld im Landkreis Delitzsch. Den rechtlichen Aspekt übernahm der ehemalige sächsische Innenminister Klaus Hardraht, die wirtschaftlichen Fragen untersuchte Dr. Hugo Godschalk, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens PaySys, Spezialist für bargeldlosen Zahlungsverkehr. Im März 2004 wurde das Gutachten auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

Vorab referierte die Regiogeld-Expertin und Buchautorin Prof. Dr. Margrit Kennedy als Gastrednerin über Möglichkeiten, den scheinbar unausweichlichen Trends der Globalisierung auf regionaler Ebene erfolgreich zu begegnen. Sie hat weltweit Währungssysteme studiert, die neben den nationalen Währungen bestehen und den beteiligten Menschen die Möglichkeit bieten, ihr Leben in sozialer und ökologischer Verantwortung zu gestalten. Frau Kennedy erklärte, dass komplementäre Währungen sich sowohl in der Vergangenheit bewährt haben als auch in unserer Zeit Bedeutung haben. So seien zum Beispiel die gängigen Payback-Karten und Miles&More-Punkte nichts anderes als Komplementärwährungen, mit denen man einen Anspruch zum Kauf von Waren oder Dienstleistungen bei bestimmten Unternehmen erwirbt. Dieses Prinzip ist grundsätzlich auch auf die Region übertragbar. Die einschlägig erfahrene Professorin sprach auch über den kleinen, aber folgenschweren Fehler im Geldsystem und fand bei den anwesenden Bankern und lokalen Interessenvertretern viel Zustimmung.

Klaus Hardraht erklärte die rechtlichen Rahmenbedingungen für Komplementärwährungen. Als praktikabelstes Beispiel führte er das schweizerische WIR-System an, in dem sich während der Weltwirtschaftskrise vor über siebzig Jahren kleine und mittlere Unternehmen in einer Genossenschaft zusammengeschlossen haben. Dieses seither erfolgreich praktizierte Handelssystem empfehle sich für die Nutzung hier im Landkreis, da es für Unternehmen und Existenzgründer auch mit beschränkter Eigenkapitaldecke Vorteile bietet: niedrige Kreditzinssätze zum Beispiel. Wird das System von einem Kreditinstitut betrieben, das hier neben dem normalen Kreditgeschäft als Informations- und Verrechnungszentrale tätig wird, steht dem Erfolg grundsätzlich nichts im Weg. Neben dem ökonomischen Anschub fördere dieses System auch die soziale Verantwortung für einander.

Dr. Godschalk erklärte die zu einer erfolgreichen Einführung von Komplementärwährungen nötigen Maßnahmen. Zunächst müsse bei der Bevölkerung und bei den Unternehmen Vertrauen in die regionale Währung gewonnen werden. Er betonte, dass die wesentlichen Vorteile einer Komplementärwährung erst dann zum Tragen kommen, wenn dadurch regionale Wirtschaftskreisläufe entstehen. Um dieses Ziel zu erreichen, eignen sich im Prinzip verschiedene Arten von Komplementärwährungen mit jeweils eigenen technischen Ausstattungen. Dr. Godschalk gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Sparkasse zusammen mit der Bevölkerung und der heimischen Wirtschaft die richtigen Verfahren herausfinden würde.

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